Don‘t mess with 4Chan – ein Fallbeispiel *UPDATE* Anonymous attacks Sony

*UPDATE*

    Anonymous V

Gestern war es noch ein Einzelfall, heute ist es ein Multimilliarden-Dollar-Konzern: Das Hackernetzwerk Anonymous hat es geschafft, diverse Sony-Seiten wie Sony.com, Playstation.com sowie das PSN (PlayStation Network) für einen bestimmten Zeitraum lahmzulegen. Die Aktion war eine Reaktion auf Sonys Ankündigung, den berühmten Hacker George ‚Geohot‘ Hotz verfolgen und vor Gericht bringen zu wollen. Hotz war zuletzt auch maßgeblich am PS3-Jailbreak beteiligt, der es erstmals ermöglichte, auf der PS3 Raubkopien abzuspielen. Anschließend verbannte Sony die Raubkopierer aus dem PlayStation Network und ging gegen jede Verbreitung des Jailbreak-Codes über das Internet rigoros vor.

That’s the Story so far. Ob das übliche DDoS-Gehacke (Denial-of-Service-Attack), kann ich gerade nicht beurteilen. Die Infos findet ihr aber auf jeder einschlägigen Gaming-Seite, da die ohnehin sehr Internet-affinen Gamer sich sehr umfassend mit dem Thema auseinandersetzen. Allein die Tatsache, dass auf der Sammelseite für Spielenews N4G aktuell 8(!) der 10 heißesten Themen nur mit Hacking beschäftigen (7 davon mit Anonymous direkt), zeigt, dass die Relevanz des Hacks gar nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Interessant ist die Entwicklung des so genannten ‚Hive-Minds‘ Anonymous. Von Mem-Fetischisten und Habbo-Pool-Raidern bis hin zu Rickrolling, dem Time-Magazine-Hack und den Scientology-Demos (s. auch hier) war es schon ein großer Schritt. Nun folgt eine interessante Phase, die Kenner der Szene vielleicht schon erahnt haben: Die mögliche Politisierung von Anonymous. Zuerst gab es die Hacks auf VISA und Mastercard nach der Wikileaks-Affäre, dann Botschaften nach Ägypten und jetzt auch noch das Vorgehen gegen multinationale Konzerne.

So fragwürdig manchen diese Handlungen erscheinen mögen, sie zeigen doch, dass eine Gemeinschaft von Leuten selbst gegen übermächtige Gegner vorgehen kann. Vielleicht ist es der General Ludd-Effekt: Wen will man schon belangen, wenn niemand dafür hauptverantwortlich ist? Anonymous ist (scheinbar) ungesteuert und agiert momentan eher nach dem Lulz-Prinzip. Die Gruppe wird nur politisch, wenn jemand die Meinungsfreiheit und die Freiheit im Internet (sprich: IHRE Freiheit) einschränken will. Fest steht m.E.: So lange die fast regelfreie Plattform 4Chan.org zur Verfügung steht und die Bedeutung des Internets in unserer Gesellschaft weiter wächst, wird Anonymous immer mächtiger. Diese Entwicklung ist ungemein spannend und ihr Ende kaum einzuschätzen. Die Möglichkeiten scheinen jedoch fast so unbegrenzt wie die Weiten des Webs.

Anonymous hat zuletzt auch noch eine kleine Nachricht an Sony verfasst. Und ganz ehrlich: Wer sonst in der Welt würde sich so eine Drogebärde gegenüber einem Konzern wie Sony trauen (und sie ernst meinen!):

Das Video endet mit dem allseits bekannten Zitat: „We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive greedy companies. We do not forget the denial of free flow of information. Expect us.“

Die Originalmeldung findet ihr nach dem Klick.

Einige von euch kennen sicher das weltgrößte Imageboard 4Chan (samt des berüchtigten Unterforums /b/). Falls ihr es kennt, hat jemand zuvor gegen die ersten beiden Regeln des Internets verstoßen. Oder ihr seid im Rahmen der Proteste gegen Scientology oder die Wikileaks-Repressionen auf die Gruppe Anonymous gestoßen, die wahlweise als Hackertruppe, Trollverein oder Sammelsurium von verrückten Skript-Kiddies und Lulz-Jägern dargestellt wird.

Nun passiert es von Zeit zu Zeit, dass auf dem Bord ziemlich kranke Typen aufkreuzen und – vermeintlich anonym – ihre Geschichten oder Bilder posten. Dies kann von Katzenquälerei bis hin zu Mord gehen. Und auch der folgende Fall hatte es in sich. Was die Leute meist nicht bedenken: Mit Anonymous, jenem unberechenbaren Hive-Mind, ist nicht zu spaßen. Dank Hacking-Künsten und erstaunlicher Detektivarbeit machen sie z.T. die wahren Identitäten von Tätern aus. Dies hier ist so ein Fall.

Fallbeispiel eines 4Chan-Hacks Owned
Hier gibt’s das Ganze noch mal in Groß und besser lesbar.

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