Stell dir vor auf einem Reaktorgelände brennt es. Und keiner sieht hin


Quelle: Twitpic, via gutjahr.biz

Ich weiß noch, dass es auf der Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen Medienforums NRW zu einer hitzigen Diskussion kam, welche die Rolle der öffentlich-rechtlichen (alten) Medien in den Neuen Medien betraf. Damals wurden die Vorteile der schönen neuen Twitter-Welt noch eifrig in Frage gestellt und in teils selbstgerechter Art ignoriert.

Wenn ich dann solche Sachen lese, kann ich bei diesen Aussagen nur den Kopf schütteln:

    In unserem Nachbarland Frankreich, rund 300 Kilometer Luftlinie zur deutschen Grenze, ereignet sich auf dem Gelände eines der größten Kernkraftwerke der Welt eine Explosion. Eine dichte, schwarze Rauchsäule steigt auf, doch in den Medien kein Wort.

    Lediglich die Rhein-Zeitung [und einige weitere Online-Zeitungen] veröffentlicht am frühen Abend eine knappe dpa-Meldung, jedoch: keine Eigenrecherche, keine Einordnung, kein gar nichts. Auch im Radio: nichts. Nichts in der Tagesschau, nichts bei Spiegel Online, nichts bei Sueddeutsche.de. Aber alle, alle berichten sie über die Kitsch-Hochzeit von Monaco. Nicht einmal die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist sich zu schade für eine Yellow-Press-Foto-Klickstrecke.

    „Ist ja nichts passiert“, höre ich die Kollegen jetzt sagen, als ob das eine Entschuldigung wäre für die eigene Ignoranz. In französischen Foren wird zu diesem Zeitpunkt schon diskutiert, ob man wohl je über die klassischen Medien von dem Feuer erfahren hätte, wäre nicht zufällig eine Straße direkt am Reaktor verlaufen, von wo aus gewöhnliche Menschen mit gewöhnlichen Handykameras ungewöhnliche Fotos gemacht und ins Netz gestellt hätten.

Hier könnt ihr den kompletten Beitrag lesen.

edit: Guter Nachtrag zur Entwiclung der Story: Wie ich zur Quelle wurde und mich unwohl fühlte #tricastin

Diesen Abschnitt hier möchte ich mal gesondert hervorheben:

    Es geht um das Verständnis des Journalismus in dieser neuen
    digitalisierten Welt. Journalisten und Medien sind nicht mehr die
    Gatekeeper von Informationen. Da ist es ein Irrsinn zu sagen, dass die
    Verantwortung aufhört wenn bei einer Explosion auf dem Gelände eines
    AKW nichts passiert ist. Wenn hunderte oder gar tausende
    Twitter-Nutzer verunsichert sind, es vielleicht bei Facebook, Google+
    und ihren Blogs verbreiten, sind Journalisten gefordert. Dann ist es
    die (bezahlte) Aufgabe dieser Berufsgruppe rauszufinden, ob sich
    unsere Gesellschaft sorgen muss oder nicht.
Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Google Bookmarks
  • StumbleUpon
  • Reddit