Klarnamenzwang bei Google Plus: Nutzersperren und die Folgen **UPDATE** Wie man gegen Google vorgeht

Anonymität auf Google Plus

**NocheinUPDATE**

Ohne den Artikel jetzt noch mal zu bumpen: Die Ennomane hat zu dem Thema ein interessantes schreiben Pro Anonymität/Pseudonym erfasst. Dort enthalten ist auch folgender Link, der mir äußerst teilenswert erscheint:

Who is harmed by a „Real Names“ policy?

**UPDATE2**

Sehr interessanter Post von Jay Blanc auf Google Plus, in dem er (zumindest fürs Vereinigte Königreich) beschreibt, warum die Klarnamen-Regelung in den EU nicht erlaubt ist (via Markus Angermeier):

    Apparently confirmed. If Google force a European Account Holder to have a public Google Profile with their „real name“ on it, they are BREAKING THE LAW. Read below. US account holders should write a letter to Larry Page and the Board of Google to pressure them into changing their policy. https://plus.google.com/u/0/106055159954550860573/posts/U5u4WYpF7uc

    If you‘re an EU Google Account holder, you can write a complaint to your local Google offices, then if they fail to reply and take corrective action, take them to your EU nation’s information commission. You can find their offices here – http://www.google.com/intl/en/about/corporate/company/address.html so start the letter writing. […]

    Update: As Google operate Gmail and Gtalk services to EU subscribers, they are covered by this legislation. It does look airtight, Google are required by EU law to allow the subscribe full control over what is and is not made public on their profile. And they may even require google to make their profile entirely private.

Interessant und sicher wert, verbreitet zu werden. Blanc gibt auch den Link an zu den Regulations on Privacy and Electronic Communications (EC Directive).

Hier noch ein paar Infos aus erster Hand von der Account-Sperrung von Ex-Google-Mitarbeiter Kirrily „Skud“ Robert: infotropism

**UPDATE**

Wollte euch zum aktuellen Stand mal ein paar neue Links servieren. Zu den neuesten „Opfern“ der Google-Klarnamenpolitik gehören u.a. der deutsche Elektromusiker Herr Kaschke und ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, Kirrily „Skud“ Robert. So langsam wird es absurd.

ZDNet – Google Plus Deleting Accounts En Masse: No Clear Answers (Kurzfassung bei Geekosystem)

The Consumerist – Google Deletes Last 7 Years Of User’s Digital Life, Shrugs (über das persönliche Schicksal eines Users)

Techcrunch – Illogical? William Shatner Gets Booted From Google+ (Update: He’s Back)

Originalmeldung:
tl;dr: Google fordert auf G+ die Angabe der Realnamen, andernfalls wird das Google-Profil gelöscht (jup, das ganze, inkl. Google Reader uvm.). User haben im Internet das Recht auf Anonymität, bzw. ihr Pseudonym und Google kann sein „Hausrecht“ als Privatkonzern nicht langfristig gegen diese Grundsätze vorbringen. Andernfalls liegt es am User, G+ ebenso schnell zu verlassen wie man dorthin gekommen ist (mit Links am Ende des Artikels) --

Bereits vor gut zehn Tagen gab es eine erste Stimmen der Empörung über den Klarnamenzwang, den Google in den Bedingungen seines neuen sozialen Netzwerks Google Plus festgeschrieben hatte. Anschließend folgten erste Sperrungen. Warum das Ganze so bedenklich ist, lest ihr hier:

    Was droht dem Google Plus User, der keine Klarnamen verwendet? Eine Sperre. Was zieht aber die Sperre nach sich? So berichtet “Die Ennomane” auf seinem Blog, dass er verpetzt worden sei, weil er ein Pseudonym auf Google Plus verwendet habe. Und Google hat nicht nur seinen Google Plus Account gesperrt, sondern alle anderen Dienste ebenso, die der User genutzt hat. Im dedizierten Fall ist der Stand der Dinge wie folgt: Die Ennomane kann Google Plus nicht mehr nutzen (lesend/schreibend), Google Buzz (lesend/schreibend) und Google Reader (schreibend) nicht mehr nutzen. Alle anderen Dienste wie Google Mail sind erst nach einem telefonischen “Entsperrungs-Procedere” wieder nutzbar.

    Andere User berichten über ähnliche Effekte, mal war nur Google Plus betroffen und weitere Dienste, mal das komplette Dienstgefüge im Googleversum.

    Noch ist unklar, wenn ein User in Google Plus von Google gesperrt wird, welche Dienste konkret zusätzlich gesperrt werden und welche nicht.

    Dies führt zum zentralen Punkt: Das Googleversum ist heute schon über die unterschiedlichsten Dienste mal mehr mal weniger ineinander verzahnt. Mit Zunahme der Kopplung unterschiedlicher Dienste wird es zunehmend undurchschaubarer für Kunden, was bei einer Sperre passiert.

G+ ist zwar noch nicht für die breite Masse geöffnet, dennoch ist die Sache bereits jetzt äußerst brisant. Als Konsequenz sieht der Autor des Artikels, Robert Basic, nur, dass er sich bei Google Plus mit einem neuen Google-Konto anmelden muss, da bei einer Sperrung seines Kontos auch andere Dienste für ihn wegfielen.

Enno Park, das im Artikel genannte Opfer der Google-Politik, gibt in Updates regelmäßig Wasserstandsmeldungen zu neuen Sperrungen oder Entsperrungen. Interessant ist der Hinweis auf die Google-Leitlinien, in denen der Konzern explizit sagt, you have „the freedom to be who you want to be“.

Die eigentlich größere Problematik mit dem Klarnamenzwang beschreibt Sascha Lobo an dieser Stelle sehr gut:

    1) Die großen sozialen Netzwerke – und dazu gehört G+ mitmehr als 10 Millionen Nutzern (und immerhin inzwischen 17 Frauen, angeblich) definitiv – finden zwar auf den Servern von Privatunternehmen statt, stellen aber die digitale Öffentlichkeit dar. Es gelten dort nicht nur die Regeln des Unternehmens, sondern auch die des Anstands und der Gesellschaft. Was wohl loswäre, wenn zB hotmail beschliessen würde, keine Mails mehr zuzustellen, die das Wort „Revolution“ enthalten? Kann man ja in die AGB schreiben, kein Problem, gibt sinnvolle Gründe dafür, sind doch Firmenserver, muss man akzeptieren, ne. […]

    2) Das Pseudonym ist ein digitales Grundrecht und mehr Wert als Googles Profiling-Wünsche. Das Pseudonym ist nicht verhandelbar, weil es beinahe deckungsgleich mit der Möglichkeit der anonymen Veröffentlichung einhergeht. Die G+Nutzer, die jetzt „Kinderkacke“ schreien, wissen nicht, dass Google offenbar den G+Namen abgleicht mit dem Gmail-Namen und mehr oder weniger allen anderen angeschlossenen Diensten (Quelle: +Elke Wittich, selbst nicht überprüft allerdings).

Ebenfalls relevant: Christian Hellers Beitrag und die Umsetzung im Zuge der Problematik. Großartig auch seine Worte zu Facebook. Ebenfalls relevant: Steingrau bietet viele Fakten, Klarstellungen und eine Fülle von Links zum Thema.

Alle diese Beiträge wurden auf Google Plus schon herumgereicht und sind auch in der Bloggerszene heiß diskutiert. Deshalb hier nur das Roundup mit einigen wesentlichen Teilen.

Hier noch mal die beiden oben zitierten Beiträge verlinkt und zum Nachlesen:
Robert Basic – Das Googleversum verzahnt sich: Was passiert bei einer Kundensperre
Ennomane – Jetzt wurde auch mein GooglePlus-Profil gesperrt
Sascha Lobo – Zur Realnamendiskussion auf Google+
Markus Breuer – Die Fakten zum Pseudonym-Verbot auf Google+
plomlompoms Beitrag auf Google Plus

Fühlt euch verlinkt. Mal sehen, wie es dann aussieht, wenn Google sein Netzwerk für die Öffentlichkeit öffnet.

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5 Antworten auf „Klarnamenzwang bei Google Plus: Nutzersperren und die Folgen **UPDATE** Wie man gegen Google vorgeht“


  1. 1 Carsten 21. Juli 2011 um 21:11 Uhr

    Die mögliche Bündelung der Informationen von Google+ und anderen Google Diensten wie Google-Mail oder das Aufzeichnen des Surfverhaltens halte ich auch für sehr bedenklich. Ich finde das sind ein bischen viele Informationen über einen Menschen. Damit kann man mit einem Mausklick eine Existenz zerstören. Gar nicht gut. Da passt Google deine Meinung auf Google+ nicht und spert dein AdSense Konto oder was? Also lieber aufpassen was man so bei Google+ von sich gibt.

  2. 2 Shmai 21. Juli 2011 um 21:39 Uhr

    Google wird sicher nicht in absehbarer Zeit anfangen, Meinungen (z.B. gegen Google) zu löschen und Nutzer infolgedessen zu bannen. So etwas ist schon eher Facebook-Niveau. Tatsächlich steht Google hinsichtlich Datenschutz noch besser da als der Konkurrent (aber schlechter als z.B. Diaspora).

    Das Problem mit G+ ist paradoxerweise die Verzahnung mit anderen Services, das stimmt natürlich. Wer sich im Netzwerk nicht benimmt, fliegt halt auch woanders raus.

    Der Klarnamenzwang ist allerdings nach wie vor ein Unding. Ich gehe davon aus, dass Google sich da zusammenreißt und den Punkt ändert, sobald das Netzwerk geöffnet wird. Jegliche Begründung für Realnamenzwang ist ohnehin fadenscheinig.

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