Betreff: Digitaler Umweltschutz

Leonhard Dobusch hat in der Online-Zeitung Berliner Gazette einen äußerst interessanten Artikel zum „digitialen Umweltschutz“ geschrieben und dazu eine Menge hilfreicher Fakten und Links präsentiert. Da der Artikel wirklich sehr lesenswert ist, lohnt sich ein Blick auf die komplette Fassung, hier ein Au (via):

Raubdrucke setzen Kreativität frei

Eindrucksvoll belegt hat das der Wirtschaftshistoriker Eckhard Höffner. Während in England bereits seit 1710 ein strenges Copyright etabliert war, dominierten in Deutschland Kleinstaaterei und die von Kant und Fichte beklagten „Raubdrucke“. Ein Urheberrecht gab es beispielsweise in Preußen erst ab 1837.

Ergebnis dieser Situation war aber keineswegs, dass in England mehr veröffentlicht wurde. Im Wettbewerb mit Raubdruckern waren Verleger gezwungen, so günstig wie möglich neue Werke zu veröffentlichen und möglichst schnell möglichst breit zu vermarkten. Was eine Explosion des Wissens in Deutschland zur Folge hatte, die maßgeblich dessen wirtschaftlichen Aufholprozess gegenüber England befeuerte.

Mehr urheberrechtlicher Schutz bedeutet also nicht automatisch mehr Anreiz für kreativ-schöpferische Tätigkeiten. Und so stellt die Stärkung und Ausdehnung von Urheber- und Patentrechten, vorangetrieben von Lobbyisten einer kleinen Minderheit finanzkräftiger Rechteinhaber, schon immer ein Problem dar.

Die Verlängerung urheberrechtlicher Schutzfristen hat beispielsweise dazu geführt, dass ein immer größerer Teil von Werken verwaist – Bücher und Filme, deren Rechteinhaber nicht oder nur zu prohibitiven Kosten ausfindig gemacht und die deshalb nicht mehr zugänglich gemacht und produktiv genutzt werden können.[…]

[D]ie einschlägige EU-Urheberrechtsrichtlinie und deren Umsetzung in nationales Recht erlauben nur in wenigen, abschließend aufgezählten Ausnahmefällen („Schranken“) die Verwendung urheberrechtlich geschützter Werke ohne Nachfrage bei den Rechteinhabern.Für die Online-Veröffentlichung von kreativen Remixes und Mash-ups, sei es auf der eigenen Homepage oder sei es in sozialen Netzwerken, ist keine derartige Ausnahme vorgesehen.

Dass das nicht nur weltfremd, sondern auch kreativitätsfeindlich ist, realisieren mittlerweile sogar Teile der CDU und haben die Initiative „Faires Urheberrecht“ gestartet. Und auch die jüngsten Wahlerfolge der Piratenpartei sind nicht in einem Vakuum entstanden, sondern im Kontext einer sich formierenden, digitalen Umweltschutzbewegung.

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