Die „Freiheit der Wissenschaft“: Wie Verlage die Verbreitung von Wissen blockieren

Zwei interessante Artikel zu zwei Verlagen, die wissenschaftliche Werke vertreiben, und dadurch ein vermögen verdienen: JSTOR und Elsevier.

Der niederländische Wissenschaftsverlag Elsevier ist zum einen ein Riese seiner Branche, der über 2.600 Journals auflegt, zum anderen nicht wenigen Wissenschaftlern und Bibliothekaren ein Dorn im Auge. Er ist als Preistreiber verschrien, dessen Publikationen mit die höchsten Preissteigerungsraten an den Tag legen und der immense Renditen einfährt: So machte der Verlag 2009 einen Gewinn von 1,1 Milliarden Dollar.

Unbestritten ist, dass Elseviers Geschäftsgebaren zwar die Einnahmen des Konzerns steigert, aber den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, die der Verlag publiziert, verknappt. Die Interessenswahrung des Verlags schließt Lobbyarbeit mit ein, die in Gesetzesinitiativen wie PIPA, SOPA und Research Works Act münden. […]

Elsevier scheint den Bogen nun nach Ansicht nicht weniger Wissenschaftler überspannt zu haben: Es droht Ungemach seitens der Forscher, die wie z.B. die Mathematiker Timothy Gowers (1998 Gewinner der Fields-Medaille, des Nobelpreis-Pendants in der Mathematik) und Tyler Neylon offen bekennen, bei Elsevier weder Artikel einzureichen, noch sie zu begutachten oder als Herausgeber für den Verlag tätig zu sein. […]

Kompletter Artikel auf Heise.de: Mobilmachung gegen Elsevier? (von Ulrich Herb)

Having bought the rights to the academic research, JSTOR digitizes the material and sells the content back to the university libraries. To recoup their costs of leasing the information from the publishers, the academic search engines use a subscription model to restrict the content to those who can pay the hefty price tag. A substantial part of the university library budget is devoted towards subscriptions to those databases. The UC San Diego Libraries report that 65% of their total budget goes towards getting access to JSTOR and other databases. To get access to the Arts and Sciences collection at JSTOR — only one of the many databases and collections of information — university libraries must pay a one time charge of $45,000 and then $8,500 every year after that.

Step back and think about this picture. Universities that created this academic content for free must pay to read it. Step back even further. The public — which has indirectly funded this research with federal and state taxes that support our higher education system — has virtually no access to this material, since neighborhood libraries cannot afford to pay those subscription costs. Newspapers and think tanks, which could help extend research into the public sphere, are denied free access to the material. Faculty members are rightly bitter that their years of work reaches an audience of a handful, while every year, 150 million attempts to read JSTOR content are denied every year.

Kompletter Artikel bei The Atlantic: Locked in the Ivory Tower: Why JSTOR Imprisons Academic Research (von Laura McKenna)

Derart absurde Preise und Verlagsgebaren führten z.B. dazu, dass Technik-Genie und Reddit-Grüner Aaron H. Swartz im vergangenen Jahr wegen des Diebstahls von JSTOR-Dokumenten angeklagt wurde. Inzwischen arbeiten Wissenschaftler wie der Ex-Stanford-Professor Sebastian Thrun daher an Möglichkeiten, der Öffentlichkeit den freien Zugang zu wissenschaftlichen Werken zu ermöglichen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema, insbesondere zum Boykott von Elsevier:
Forscher-Aufstand gegen Großverlag – Wir zahlen nicht für unsere Gedanken (SpOn)
Stimmen zum Elsevier-Boykott
Boykottiert Elsevier! Ich boykottiere Elsevier! (SciLogs, Günther M. Ziegler)
The Cost of Knowledge (Aktionswebsite)

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3 Antworten auf „Die „Freiheit der Wissenschaft“: Wie Verlage die Verbreitung von Wissen blockieren“


  1. 1 Shmai 09. April 2012 um 23:09 Uhr

    Weitere Ergänzungen zur Geschichte:
    Liste der Boykott-Teilnehmer in Deutschland
    Mathematicians take a stand (weitere Stellungnahme der Wissenschaftler Arnold und Cohn)
    “Das Recht auf Sichtbarkeit” (bzgl. Open Access, Zweitveröffentlichungsrecht)
    Offener Brief von Elsevier
    Elsevier withdraws support for the Research Works Act (Pressemitteilung)

    Dieser Beitrag des Wirtschaftsprofessors Tim Leunig ist auch interessant, ebenso wie das formellere Statement des angesehenen Mathematikers Tom Gowers, welcher den Protest initiiert hat.

  1. 1 Kampf um jedes Blatt – Der Boykott der Wissenschaftler gegen den Elsevier-Verlag « The Dead Cat Bounce Pingback am 24. Mai 2012 um 16:11 Uhr
  2. 2 Hackers for right, we are one down, / we have lost one of our own. « The Dead Cat Bounce Pingback am 15. Januar 2013 um 1:15 Uhr
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