Archiv für Februar 2012

DIVSI-Studie: Gaucks Meinung zum Internet

Joachim Gauck ist schon ein Phänomen. Der Mann ist noch nicht einmal im Amt und schon bekommt er den zweiten Shitstorm innerhalb weniger Tage serviert. Thorsten Knüwer weist in seinem Blog auf eine ziemlich merkwürdige Passage im Vorwort des kommenden Bundespräsidenten für eine Studie des „Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ (DIVSI) hin, für die Gauck als Schirmherr tätig ist: Laut Gauck biete das Internet „alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen.“

Weiß der gute Mann wovon er spricht? Aus der Vergangenheit haben wir ja bereits gelernt, wie wichtig der Kontext solcher Aussagen ist. Daher bekommt ihr hier die Möglichkeit, euch einfach selbst ein Bild zu machen. Ein längerer Auszug von Joachim Gauck aus der Studie des DIVSI:

Als Jürgen Gerdes, Briefvorstand der Deutschen Post, mich fragte, ob ich die Schirmherrschaft für die frisch gegründete gemeinnützige Gesellschaft unter dem Namen „Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ (DIVSI) übernehmen möchte, habe ich einen Moment lang gezögert. Sicherheit im Internet, so war mein erster Gedanke, sei doch vor allem Aufgabe von kundigen IT-Technologen. Nun bin ich durchaus mit den modernen Mitteln elektronischer Kommunikation vertraut, aber für einen IT-Fachmann reicht es bei mir bei weitem nicht.

Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto schneller wurde mir klar – Sicherheit und Datenschutz im Internet ist nicht nur ein Problem der Technik. Das vermeintlich grenzenlose Internet stellt uns vor Fragen, die keine App für uns beantworten kann. Die Unendlichkeit im Netz hört spätestens dort auf, wo wir klären müssen, wie viel Risiko, wie viel Verantwortung und wie viel Freiheit meiner Aktivitäten im Netz ich mir selbst zutraue. Eine Entscheidung, die letztlich jeder User für sich allein treffen muss.

Aller Anfang der Freiheit ist die Sprache, und schon verlassen wir das Feld der Software-Programmierer. Das gesamte Internet ist längst nicht mehr eine Techniker-Angelegenheit, sondern hat sich zu einer großen Kulturleistung entwickelt und prägt den Alltag der Menschen in erheblichem Ausmaß. Worte aus der vormaligen Fachwelt sind Allgemeingut geworden. So suggeriert der Begriff „Datenschutz“ ein Maß an Sicherheit, das es kaum gibt. Und Datenschützer können keine Daten schützen, sie können allenfalls kontrollieren, ob Daten hinreichend geschützt werden. Wir merken, wie wichtig es ist, auf die Exaktheit der Wörter genau zu achten, wenn es um Freiheit und Selbstbestimmung in der Welt des Internets geht, die täglich mehr unserer Zeit in Besitz nimmt.

Fortsetzung nach dem Klick. (mehr…)

Ads vs. StreetArt

Weil dies gerade so schön zum Banksy-Beitrag von heute morgen passt:

Advertising vs. Cops complaining about StreetArt
(via StreetArt in Germany)

White vs. Graffiti: Bizarre Hotel Room

Weißes Hotelzimmer, halb mit Graffiti besprüht

Die Künstler Tilt, Grizz und Don Cho haben die Gelegenheit bekommen, fünf Räumlichkeiten des Hotels Au Vieux Panier umzugestalten. Das Ergebnis könnte kaum bizarrer sein: Eine Hälfte des Raums ist in klinischem Krankenhaus-Weiß gehalten, die andere läuft vor Farben und zahllosen Graffiti über. Ob man darin nachts ruhig schlafen kann?

Mehr Bilder findet ihr auf The Big Addict (via Nerdcore)

Film-Review: „Shame“


Trailer (deutsch)

Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, Steve McQueen’s Sex-Drama „Shame“ im Kino zu sehen. Da der Film am morgigen Donnerstag (1.3.) in Deutschland anläuft, gibt’s hier die Rezension zum Streifen.

In der New Yorker U-Bahn sitzt der Geschäftsmann Brandon (Michael Fassbender) einer jungen Frau gegenüber. Er schaut ihr in die Augen, deutet ein Lächeln an. Sie blickt zurück, schüchtern, flirtend, nicht aufreizend. Sie schlägt die Beine übereinander. Er wartet auf den nächsten Halt. Schnitt. Brandon läuft nackt durch sein Apartment. Die Wände sind in kaltem Weiß gehalten, die Einrichtung spärlich. Brandons Schwester ruft an, spricht auf seinen AB. Er ignoriert sie. Schnitt. Brandon, wie er sich eine Prostituierte aufs Zimmer bestellt, welche sich langsam vor ihm entkleidet. Und dann wieder der Schnitt zur U-Bahn, die an der nächsten Station anhält. Brandon platziert seine Hand am Haltegriff genau neben der Hand der jungen Fremden. Sie spürt ihn im Nacken. Sie steigt eilig aus der U-Bahn aus, taucht im Getümmel der Menschen unter, während Brandon ihr nachläuft, sie nicht aus den Augen verlieren will. Doch auf einmal ist sie verschwunden, außer Sichtweite. Ein kurzes Lächeln huscht über Brandons Lippen. Er macht sich wieder auf den Heimweg.

Die ersten Minuten von Shame gehören zu den intensivsten Intros, welche die letzten Jahre über die Leinwand flimmerten. Untermalt vom bedrückenden musikalischen Thema von Harry Escott führt uns der Film ein in die Welt des New Yorker Singles Brandon Sullivan. Diese Welt ist beherrscht vom Zwang, von der Sucht und dem unaufhörlichen Verlangen nach Sex. Wenn er abends mit seinen Kollegen unterwegs ist, reißt er Frauen auf und jenen anschließend die Kleider vom Leib. Bleibt er zu Hause, bestellt er sich Prostituierte aufs Zimmer. Oder er surft auf Porno-Seiten und besucht Sex-Chats. Selbst auf der Arbeit kann er nicht aufhören und verschwindet in den Pausen auf der Toilette. Brandons heimliche Routine ist mit einem Mal gefährdet, als seine Schwester Sissy (Carey Mulligan) unverhofft in seiner Wohnung auftaucht. Die von Depressionen geplagte Sissy dringt in Brandons abgeschottetes Privatleben ein, was ihm zunehmend psychisch zu schaffen macht.

Shame Movie Picture - Michael Fassbender Press Photo
Brandon (Michael Fassbender) im verregneten Big Apple.

Das Thema Sex ist in Beziehungsdramen und -komödien der letzten Jahre zu einer Art Dreh- und Angelpunkt der Story geworden, etwas, auf das die Hauptcharaktere zusteuern, sich treffen und in der körperlichen Vereinigung ihre gemeinsame Erlösung finden. Shame hingegen behandelt Sex als Sucht und mit einer im Kino selten gesehenen Ernsthaftigkeit. Sex gibt der Hauptfigur keine Erlösung, keinen Höhepunkt, keine Vereinigung mit der Geliebten. Nur eine Bedürfnisbefriedigung an bedeutungslosen Menschen. Rein. Raus. Ende. Sex als Droge, die ein Leben kaputt macht. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen mit dem Geschwisterpaar Brandon und Sissy zwei zutiefst gestörte Charaktere, die beide unfähig sind einander zu helfen. Dass sie es dennoch versuchen – aus familiärer Verbundenheit –, ist die Grundformel dieses Dramas.

Den Rest der Shame-Rezension findet ihr nach dem Klick oder demnächst auch auf unaufgefordert.de. (mehr…)

It’s Dangerous To Go Solo

Ich liebe solche Aushänge.

It's Dangerous To Go Solo - Take A Wookie With You Notice
(via Anne Beuttenmüller)

Hier die Quelle der Anspielung aus The Legend of Zelda und der dazu passende Aushang.

29th of February

29. Februar ist kein wirklicher Tag / not  a real day notice

Spray Can 2.0

Der Traum eines jeden Sprayers. Ach wenn es doch nur so einfach wäre…

Spray can with adjustable colours - RGB
(via)

Banksy on Advertising

Ein interessantes, radikales Statement, das – wie in so vielen Fällen – Banksy angedichtet wird. Die Quelle wage ich nicht zu benennen, allerdings passen die Inhalte gut zur kontroversen Natur von StreetArt und Adbusting.

Zum Lesen entweder aufs Bild klicken oder die Transkription unten anschauen (via Marc Rossmiller):

Banksy on Advertising - Banksys Meinung zur Werbung

„People are taking the piss out of you everyday. They butt into your life, take a cheap shot at you and then disappear. They leer at you from tall buildings and make you feel small. They make flippant comments from buses that imply you’re not sexy enough and that all the fun is happening somewhere else. They are on TV making your girlfriend feel inadequate. They have access to the most sophisticated technology the world has ever seen and they bully you with it. They are “The Advertisers” and they are laughing at you.

You, however, are forbidden to touch them. Trademarks, intellectual property rights and copyright law mean advertisers can say what they like wherever they like with total impunity.

Fuck that. Any advert in a public space that gives you no choice whether you see it or not is yours. It’s yours to take, re-arrange and re-use. You can do whatever you like with it. Asking for permission is like asking to keep a rock someone just threw at your head.

You owe the companies nothing. Less than nothing, you especially don’t owe them any courtesy. They owe you. They have re-arranged the world to put themselves in front of you. They never asked for your permission, don’t even start asking for theirs.“

Was ist ein Schaltjahr?

Yeah, 29. Februar! Glückwunsch an die armen Vögel, die heute Geburtstag haben. Für alle, die mehr über den Schalttag erfahren wollen, hat CGPGrey ein schönes Informationsvideo gebastelt. Und wenn euch das meiste noch aus dem Schulunterricht bekannt vorkommt, so ist es immerhin nett animiert.

The Onion: Facebook und die CIA

Auf amerikanische Facebook-Accounts scheint gerade ein Video zu kursieren, welches die Nutzung von Facebook-Daten durch den amerikanische Geheimdienst CIA dokumentiert. Dabei scheint es einigen zu entgehen, dass es sich hier um Satire handelt.

Hier noch mal zum Ablachen, unter dem grandiosen Titel „CLOSE YOUR FACEBOOK ACCOUNT“ (all caps!) auf Youtube hochgeladen: