Drehbuchautoren, „Total-Buy-Out“ und die Probleme der Urheber

Gestern haben 51 Drehbuchautoren der ARD-Krimireihe „Tatort“ mit einem offenen Brief für Aufsehen gesorgt, in dem sie sich an Grüne, Piraten, Linke und die „Netzgemeinde“ wenden. Darin fordern sie die besagten Parteien u.a. dazu auf, sich von „Lebenslügen“ zu verabschieden. Die Autoren werfen ihnen vor, mit der Kürzung von Schutzfristen „Symbolpolitik“ zu betreiben, und ihn der Debatte um das Urheberrecht keine konstruktiven Vorschläge vorzubringen.

Abgesehen davon, dass ausgerechnet die Autoren der am besten finanzierten deutschen Krimiserie sich hier beschweren, die darüber hinaus auch noch von der öffentlichen Hand bezahlt werden, steckt in diesem Pamphlet mehr Polemik als durchdachte Argumentation. Wie immer wird die Netzgemeinde zu einem großen Ganzen verklärt, der Unterschied zwischen ‚kostenlos‘ und ‚frei‘ wird erläutert, als rede man hier mit einem Achtjährigen, die Kürzung(!) von Schutzfristen wird gleichgesetzt mit einer Enteignung der Autoren, viele Vorwürfe sind haltlos (z.B. „Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass nirgendwo eine Argumentation versucht wird, warum gerade diese Eigentumsform überhaupt eine Einschränkung erfahren darf“), etc. pp.

Netzpolitik.org sowie 51 Hacker aus dem Chaos Computer Club („Wir glauben, es hackt!“) haben hierzu schon passende Antworten verfasst. Hervorzuheben ist auch das Positionspapier der Piraten zum Thema, das auf viele Vorwürfe der Autoren passende und intelligente Antworten präsentiert.

Nach dem Regener-Rant ist dies aber nur ein weiteres Beispiel dafür, wie verfahren die Debatte um das Urheberrecht ist. Dabei geraten ganz andere Problemfelder (über die sich auch die Künstler aufregen) manchmal aus dem Blickfeld. Da wäre z.B. die Praxis der „Total-Buy-Outs“, durch welchen die Urheber ihre Rechte an der Verwertung eines Artikels komplett an den Verlag abtreten.

Das Handelsblatt legte iRights.info-Autor Matthias Spielkamp folgende „Optionen“ vor:

Im Hinblick auf die multimediale Nutzung aller Beiträge erlauben wir uns, Sie darauf hinzuweisen, dass seit jeher mit jeder Honorarzahlung die Einräumung und Nutzung des Printmedien-, des Multimedia-, des Datenbank-, sowie des Werberechts zur ausschließlichen, zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkten Nutzung an allen bekannten, körperlichen und unkörperlichen Nutzungsarten abgegolten ist. Das Gleiche gilt für das Übersetzungs- und Bearbeitungsrecht sowie das Recht, die Beiträge unter bestimmten Voraussetzungen auch für unbekannte Nutzungsarten zu nutzen. Der Verlag darf die Nutzungsrechte auch auf Dritte übertragen.

Thomas Stadler zweifelt auf Internet-Law.de nicht nur an der Rechtmäßigkeit solcher Verträge. Er fasst dazu auch die ganze Absurdität der Diskussion noch einmal zusammen:

Was hier helfen würde, wäre ein weiterer Ausbau des Urhebervertragsrechts zugunsten der tatsächlichen Urheber, damit Knebelverträge wie die des Handelsblatts endlich der Vergangenheit angehören. Entsprechend effektive gesetzliche Regelungen hat die Verlagslobby aber bereits vor 10 Jahren erfolgreich zu verhindern gewusst. Vor diesem Hintergrund ist es für mich immer wieder erstaunlich, dass sich Autoren auch noch freiwillig vor den Karren der Urheberrechtsindustrie spannen lassen.

Den kompletten Artikel von ihm findet ihr hier: Wie das Handelsblatt mit Autoren umgeht

Verwandter Artikel:
ZAPP: Urheberrecht – Selbstbedienung der Verlage

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1 Antwort auf „Drehbuchautoren, „Total-Buy-Out“ und die Probleme der Urheber“


  1. 1 Reaktion auf die „100 Kreativen“: Gewalt erzeugt Gegengewalt“ « The Dead Cat Bounce Pingback am 06. April 2012 um 16:27 Uhr
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