„Wir sind die Bürger“ und „Auch wir sind Urheber“

Nachdem Sven Regener, 51 Tatort-Autoren und die 100 „Kreativen“ vom Handelsblatt in den vergangenen Wochen regelmäßig Öl ins Feuer um den Urheberrechtsstreit gegossen hatten, hat sich kürzlich auch die ehrenwerte „Zeit“ dem Kampagnenjournalismus ergeben.

100 Prominente, darunter Mario Adorf, Charlotte Roche, Roger Willemsen und Daniel Kehlmann, haben in der gestrigen „Zeit“-Ausgabe verkündet: „Wir sind die Urheber“. Dazu wurde angekündigt, die bislang größte Aktion von Künstlern und Urhebern zum Schutz des geistigen Eigentums zu dokumentieren. Der Appell mit den Namen von bislang 3000 Unterstützern sind unter der Adresse wir-sind-die-urheber.de online zu finden.

Nun ist es so, dass vieles gesagt werden kann, und noch mehr bereits gesagt wurde. Und die Tatsache, dass immer mehr Künstler im Rahmen von so genanntem „Journalismus“ ihre Meinung äußern oder Appelle unterzeichnen, macht es leider nicht besser, dass die Diskussion nach wie vor am eigentlichen Problem vorbei zielt. (Die Probleme mit den Argumenten haben Thomas Stadler, Bruno Kramm und Udo Vetter bereits detailliert auseinandergenommen.)

Interessanter als die Gegenreaktionen sind da die Gegenaktionen aus der Netzcommunity: Der Medienpädagoge Thomas Pfeiffer spricht im Namen von „Wir sind die Bürgerinnen und Bürger“ die Wahrung der rechtlichen Interessen der Bürger an, während gleichzeitig Urheber eine gerechte Entlohnung bekommen sollen. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch gibt dem Ganzen noch einen neuen Dreh und spricht mit „Auch wir sind die Urheber“ eine andere Seite des Kulturschaffens an. Beide Dokumente könnt ihr mit unterzeichnen, die Erklärung von Thomas Pfeiffer konnte innerhalb kürzester Zeit schon 1500 Unterstützer gewinnen. (via heise online)

Als vorerst letztes Wort gebe ich mal Folgendes zu bedenken: Die Aufzählung oben zeigt schon, wie breit die Front der so genannten „Netzgemeinde“ ist. Hier wehren sich Blogger, Musikproduzenten, Anwälte, Medienpädagogen, Wissenschaftler gegen Kampagnen-Journalismus und die Mobilmachung seitens der Verwerterindustrie. Mag also gut sein, dass der „Kampf“ und die sich immer weiter verhärtenden Fronten sich zum Nachteil der Künstler entwickeln – denn es sind keine Verbrecher, die sich hier wehren, sondern Experten, Kritiker und – in letzter Instanz – BürgerInnen. Wenn der Industrie nicht bald wieder einfällt, dass man nicht gegen irgendwelche Kriminellen, sondern im Prinzip gegen die eigenen Kunden wettert, wird der selbst initiierte Kulturkampf kein gutes Ende für sie nehmen.

edit: Hier noch mal der Link für alle (Mit-)Urheber, die dem Aufruf Stefanowitschs folgen: Wir sind Urheber

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