Ach, Leute …: Blödsinn im Netz mit Wikileaks und Anonymous

Irgendwie hängt im Netz zurzeit der Haussegen schief. Reddit-User legen sich mit Gawker an, Anon verkracht sich mit Wikileaks und die deutschen Vertreter von Anonymous wissen nicht, ob sie für oder gegen rechte Kommentare im Internet sind.

Im Falle von Wikileaks geht es um eine Paywall, welche auf der Enthüllungsseite hochgezogen wurde:

Upon clicking on any of the site’s documents, including “Cablegate: 250,000 US Embassy Diplomatic Cables,” which is said to have came from alleged WikiLeaks-leaker Bradley Manning, WikiLeaks visitors are taken to a page with a video that lambastes Barack Obama and ends with WikiLeaks chief Julian Assange asking for donations. To access documents, one can donate, share the video on Facebook or tweet it. The fullscreen overlay cannot be closed unless a donation is made or something is shared, though the video does not appear over every document dump. (David Kravets, Wired.com)

Wikileaks Paywall Donations - Anonymous Anger

Dementsprechend reagierten einige prominente Anon-Accounts mit großem Unmut und kündigten an, Wikileaks nicht mehr auf Twitter zu folgen. Die Statements lesen sich dann so:

This, dear friends will lose you all allies you still had. @wikileaks, please die in a fire, kthxbai. (@YourAnonNews)

Noch deutlicher wird Anonymous in einem offiziellen Statement zum „Verrat von Wikileaks“:

No longer will Anonymous risk prison to defend WikiLeaks or Julian Assange from their enemies. No longer will Anonymous risk prison to supply material for WikiLeaks disclosures. Anonymous turns it’s back on WikiLeaks.

Wikileaks rechtfertigt sich u.a. auf Facebook für diese Maßnahme, sagt auch, es handle sich technisch nicht um eine Paywall, sondern um eine Wartezeit oder wasweißich. Fest steht, dass die Beziehung zwischen Wikileaks und Anon kaputt ist und wohl fürs Erste auch nicht wieder aufgebaut werden kann. Schade, wenn man bedenkt, wie Anonymous Wikileaks einst nach den Zensurmaßnahmen 2010 unterstützt hat. Die DDoS-Attacken und Proteste haben nicht zuletzt auch Anonymous zu weltweiter medialer Aufmerksamkeit verholfen.

Die Reaktion der Anonymen ist, gerade wenn man sich die Ideale des Kollektivs anschaut, nur zu verständlich. Und ganz ehrlich, irgendwie finde ich’s auch nicht sonderlich schade um Wikileaks, da von diesen in letzter Zeit immer weniger gekommen ist und dafür Julian Assange in den Posts promotet wurde. Einzig die Sache, für die Wikileaks stand (oder noch steht?), ist es natürlich bitter.

Und dann gibt es noch den Fall kreuz.net. Die erzkonservative Seite nutzt Katholizismus als Vorwand für Hasspropaganda und islamophoben, schwulenfeindlichen Hirnfick. Nachdem ein Poster in einem Hetzbeitrag auf kreuz.net Dirk Bach in die Homo-Hölle verbannen wollte, regte sich dagegen Protest. Anonymous rief zu Operation Kreuznet auf (#OpKreuzNet #kreuznet).

Nun allerdings die Kehrtwende, zumindest von einigen Anhängern des Hacker-Kollektivs: @AnonAustria äußert sich sich auf Twitter pro kreuz.net:

Deutscher Anonymous Twitter-Account pro kreuznet, gegen Zensur

@AnonNewsDE spricht sich auf Twitter nicht für die Seite aus, aber gegen Maßnahmen, die kreuz.net angreifen (via KFMW).

Deutscher Anonymous Twitter-Account pro kreuznet, gegen Zensur

Unklar ist, ob Anon einfach kreuz.net als publizistisches Medium ansieht und deshalb nicht angreifen will, oder ob Meinungsfreiheit und Zensur absolut auslegt. Dass diese Meinungsfreiheit aber auch im Netz Grenzen hat, sagen auch viele Hacktivisten sowie Piraten und Bürgerrechtler. Und gerade bei solchen Seiten wundert die Rückendeckung durch Anon. Immerhin ist man in der Vergangenheit schon häufiger gegen Nazis vorgegangen.

Natürlich gibt’s in einem losen Kollektiv wie Anonymous auch mal sich widersprechende Meinungen. Aber dass Accounts mit mehreren tausend Followern sich für Seiten mit rechtem Dreck stark machen, ist schon bedenklich. Und Anon hat wie gesagt schon mal gezeigt, dass sie zu dem Thema eigentlich anders stehen.

Aber na gut, in einer Zeit, in der die EU den Friedensnobelpreis erhält, ist wohl vieles möglich.

Just fyi, die katholische Kirche hat sich von kreuz.net schon vor Jahren distanziert.

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