Bild erhält Medienpreis für Griechenland-Berichterstattung

Bild - Die Euro-Lüge
Via Stefan Niggemeier.

Die „Bild“-Redakteure Nikolaus Blome und Paul Ronzheimer haben für ihre fünfteilige Enthüllungsserie zur Griecheland-Pleite den mit 10.000 Euro dotierten Herbert Quandt-Medienpreis erhalten. Der Preis wird jährlich für Beitrage mit einer „sorgfältige[n] Auswahl und Deutung von Fakten“ sowie für „Qualität in Sprache, Stil und Allgemeinverständlichkeit“ verliehen, welche anspruchsvoll und allgemeinverständlich „das öffentliche Verständnis für die Bedeutung des privaten Unternehmertums und die marktwirtschaftliche Ordnung fördern“.

In seinem hervorragenden Artikel schreibt der Blogger Stefan Niggemeier dazu:

    Bei „Bild” arbeiten durchaus Leute, die in der Lage gewesen wären, auch einen solchen Sachverhalt in eine knackige Schlagzeile gerinnen zu lassen. Das war nicht gewollt. Das hätte nicht in den Erzählstrang gepasst, in den die „Bild”-Zeitung seit über einem Jahr die Schuldenkrise in Griechenland presst. Der reduziert die komplexen Vorgänge auf die einfache Formel eines durch und durch verkommenen südeuropäischen Volkes, das uns korrekte, hart arbeitende Deutsche um die Früchte unserer Arbeit bringt.

    Es ist sicher kein Zufall oder gar Versehen, dass „Bild” auch an dieser Stelle in der Schlagzeile nicht „Griechenland”, „Athen” oder gar „griechische Politiker” schreibt — als wäre es die Masse des griechischen Volkes gewesen, die jetzt unter den Sparmaßnahmen leidet, die „uns (!) reingelegt” hat.

    Eine „Enthüllung” ist die „Bild”-Serie natürlich trotz des Einsatzes einer vermutlich beeindruckend gemeinten Vielzahl von Autoren über weite Strecken nicht. Dass Griechenland nur durch falsche Zahlen die Bedingungen für den Euro-Beitritt erfüllten, ist seit langem bekannt. 2004 gab es die griechische Regierung öffentlich zu. Viele Details, die „Bild” zu enthüllen vorgibt, erzählte bereits Monate zuvor ein Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. […]

    Es ist eine Kampagne, die der frühere „Bild am Sonntag”-Chefredakteur Michael Spreng als beispiellos seit dem Kampf Springers gegen die Ostverträge bezeichnet. „Bild” versuchte, „die Leser gegen die Griechen in einer Form aufzuwiegeln, die an Volksverhetzung grenzte”.

Zudem werfen Protagonisten des Beitrages wie Yannis Stournaras, der Chefunterhändler Griechenlands bei der Euro-Einführung, der „Bild“viele inhaltliche Fehler sowie ein „trauriges Niveau von Journalismus vor“. Mehr dazu wie gesagt auf dem Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier.

Viele Leute zeigten sich über die Entscheidung der Jury der Johanna-Quandt-Stiftung empört. Warum, sollte nun offensichtlich sein. Selbst wenn die Beiträge inhaltlich größtenteils richtig und stimmig waren, so sind Aufmacher und Kampagne schlicht und ergreifend rechtspopulistischer Dreck.

Die Hetzkampagne gegen Griechenland (eher: gegen die Griechen) ist verantwortungslos und wirklichkeitsfern. Hier wird ein Volk, das sich extremen wirtschaftlichen und persönlichen Schwierigkeiten ausgesetzt sieht, verhöhnt. Und was auch immer den 25-jährigen Nachwuchsredakteur Paul Ronzheimer zu der Aktion mit den Drachmen (siehe unten) bewegt hat, kann ich auch nicht sagen.

Die Begründung Rechtfertigung der Jury, Journalismus müsse „auch mal wehtun“ lässt sich ob solcher Dinge kaum nachvollziehen. Es ist imho ziemlich bedenklich, so eine Vorgehensweise zu belohnen. Aber bildet euch selbst eine Meinung.

Bild - Drachmen für Athen
Aus dem Beitrag „Jugend hetzt“ von Lukas Heinser auf CoffeandTV, der die beiden Preisträger genauer beleuchtet.

Wer noch einen guten Kontrast braucht: Das GuttenplagWiki erhält für seine unvoreingenommene und aufklärerische Arbeit in der Doktor-Affäre von Ex-Minister zu Guttenberg den Grimme Online Award. (zur Meldung, via rivva)

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6 Antworten auf „Bild erhält Medienpreis für Griechenland-Berichterstattung“


  1. 1 Leo 23. Juni 2011 um 14:37 Uhr

    Überlege einmal in Ruhe, warum bei Dir kaum jemand kommentiert. Das ist kein Vorwurf, denn meine Versuche zu bloggen waren ähnlich erfolglos.
    Und noch etwas: Warum finde ich kein Impressum?

  2. 2 Shmai 23. Juni 2011 um 15:22 Uhr

    Öhm, für einen kleinen Blog auf Blogsport, den ich gerade erst gestartet habe, geht es ganz gut. Insofern stufe ich hier noch nichts als Erfolg oder Misserfolg ein. Für Verbesserungsvorschläge bin ich aber offen.
    Impressum hatte ich – auch ob der Größe des Blogs – vorerst ausgelassen. Hier gibt es afaik auch keinen entsprechenden Bereich dafür. Da müsste ich mich noch mehr ins Layout reinfuchsen.

  3. 3 deco 23. Juni 2011 um 17:43 Uhr

    keinen plan was leo meint…man kann mir vielleicht vorwerfen, dass ich den blog von niggemeier nich lese, aber für mich das highlight des tages beim heutigen durchsehen von planet blogsport!
    ok, hauptsächlich weil ich diesen lustigen preis nicht kannte, die quandts und ihre traurige familiengeschichte aber schon. dazu die am anfang zitierten kriterien für den preisverleih. schick!

  4. 4 Kashmir 23. Juni 2011 um 18:39 Uhr

    Ich find diesen Blog GANDIOS!!!!

    Ich mag den minimalen Style, die Auswahl der Themen, die Aufarbeitung der Artikel und vor allem deine Wortwahl in den Texten.

    Lass dich nicht von haltlosen Geflame unterkriegen und ich hoffe du hast nicht solch Aufmerksamkeitsbedürfnis, dass wenige Kommentare dich vom Posten abhalten sollten.

    Mach genau so weiter, einen Fan hast du schon. =)

  5. 5 Kashmir 23. Juni 2011 um 18:40 Uhr

    Achja zum Thema, Bild – Kotzwürg
    Aber hey, wenn Obama den Friedenspreis dafür bekommt Soldaten nach Afganistan zu schicken, wird der Preis wohl angepracht sein….da feiern sich die Idioten wieder selbst ab. :/

  6. 6 Shmai 25. Juni 2011 um 16:40 Uhr

    Danke für den Zuspruch. Ich werd auch noch eine Weile wieter posten. Auf Dauer überlege ich mir aber sicher noch ein par Sachen, die man verbessern könnte. Betrifft wohl erstmal Layout und Aufteilung der Seite.

    Bis dahin, vielen Dank fürs Weiterlesen
    shmai

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