Archiv der Kategorie 'Anonymous'

29C3: Jacob Appelbaum über Widerstand gegen den Überwachungsstaat (Video der Keynote)

Vortrag des Entwicklers beim Anonymisierungsnetzwerk TOR, Jacob Appelbaum, auf dem 29. Chaos Communication Congress (29C3) über den Überwachungsstaat und die Möglichkeiten des Widerstands gegen ihn:


(Direktlink)

Auf heise findet sich eine Zusammenfassung des Vortrags.

Alternative gesellschaftliche Strukturen unter anderem mithilfe freier Software aufzubauen, fordert Jacob Appelbaum. […] In den USA etwa sei mittlerweile jeder den „Tentakeln“ des Überwachungsstaats ausgesetzt, malte der Aktivist ein düsteres Szenario. Wenn in sogenannten Demokratien die demokratische Kontrolle und Gewaltenteilung nicht mehr funktioniere, sei es an der Zeit, einem solchen System eigene positive und auf die Dauer wirksame Ansätze entgegenzustellen.

Der 29C3 steht unter dem Motto „Not my department“, ein Verweis auf den Ausspruch „Das ist nicht mein Gebiet“, welches dem opportunistischen deutschstämmigen Raketenwissenschaftler Wernher von Braun in den Mund gelegt wurde. Damit setzt der 29C3 einen Schwerpunkt auf die Konsequenzen moderner Technologien und neuer Forschung.

Ach, Leute …: Blödsinn im Netz mit Wikileaks und Anonymous

Irgendwie hängt im Netz zurzeit der Haussegen schief. Reddit-User legen sich mit Gawker an, Anon verkracht sich mit Wikileaks und die deutschen Vertreter von Anonymous wissen nicht, ob sie für oder gegen rechte Kommentare im Internet sind.

Im Falle von Wikileaks geht es um eine Paywall, welche auf der Enthüllungsseite hochgezogen wurde:

Upon clicking on any of the site’s documents, including “Cablegate: 250,000 US Embassy Diplomatic Cables,” which is said to have came from alleged WikiLeaks-leaker Bradley Manning, WikiLeaks visitors are taken to a page with a video that lambastes Barack Obama and ends with WikiLeaks chief Julian Assange asking for donations. To access documents, one can donate, share the video on Facebook or tweet it. The fullscreen overlay cannot be closed unless a donation is made or something is shared, though the video does not appear over every document dump. (David Kravets, Wired.com)

Wikileaks Paywall Donations - Anonymous Anger

Dementsprechend reagierten einige prominente Anon-Accounts mit großem Unmut und kündigten an, Wikileaks nicht mehr auf Twitter zu folgen. Die Statements lesen sich dann so:

This, dear friends will lose you all allies you still had. @wikileaks, please die in a fire, kthxbai. (@YourAnonNews)

Noch deutlicher wird Anonymous in einem offiziellen Statement zum „Verrat von Wikileaks“:

No longer will Anonymous risk prison to defend WikiLeaks or Julian Assange from their enemies. No longer will Anonymous risk prison to supply material for WikiLeaks disclosures. Anonymous turns it’s back on WikiLeaks.

Wikileaks rechtfertigt sich u.a. auf Facebook für diese Maßnahme, sagt auch, es handle sich technisch nicht um eine Paywall, sondern um eine Wartezeit oder wasweißich. Fest steht, dass die Beziehung zwischen Wikileaks und Anon kaputt ist und wohl fürs Erste auch nicht wieder aufgebaut werden kann. Schade, wenn man bedenkt, wie Anonymous Wikileaks einst nach den Zensurmaßnahmen 2010 unterstützt hat. Die DDoS-Attacken und Proteste haben nicht zuletzt auch Anonymous zu weltweiter medialer Aufmerksamkeit verholfen.

Die Reaktion der Anonymen ist, gerade wenn man sich die Ideale des Kollektivs anschaut, nur zu verständlich. Und ganz ehrlich, irgendwie finde ich’s auch nicht sonderlich schade um Wikileaks, da von diesen in letzter Zeit immer weniger gekommen ist und dafür Julian Assange in den Posts promotet wurde. Einzig die Sache, für die Wikileaks stand (oder noch steht?), ist es natürlich bitter.

Und dann gibt es noch den Fall kreuz.net. Die erzkonservative Seite nutzt Katholizismus als Vorwand für Hasspropaganda und islamophoben, schwulenfeindlichen Hirnfick. Nachdem ein Poster in einem Hetzbeitrag auf kreuz.net Dirk Bach in die Homo-Hölle verbannen wollte, regte sich dagegen Protest. Anonymous rief zu Operation Kreuznet auf (#OpKreuzNet #kreuznet).

Nun allerdings die Kehrtwende, zumindest von einigen Anhängern des Hacker-Kollektivs: @AnonAustria äußert sich sich auf Twitter pro kreuz.net:

Deutscher Anonymous Twitter-Account pro kreuznet, gegen Zensur

@AnonNewsDE spricht sich auf Twitter nicht für die Seite aus, aber gegen Maßnahmen, die kreuz.net angreifen (via KFMW).

Deutscher Anonymous Twitter-Account pro kreuznet, gegen Zensur

Unklar ist, ob Anon einfach kreuz.net als publizistisches Medium ansieht und deshalb nicht angreifen will, oder ob Meinungsfreiheit und Zensur absolut auslegt. Dass diese Meinungsfreiheit aber auch im Netz Grenzen hat, sagen auch viele Hacktivisten sowie Piraten und Bürgerrechtler. Und gerade bei solchen Seiten wundert die Rückendeckung durch Anon. Immerhin ist man in der Vergangenheit schon häufiger gegen Nazis vorgegangen.

Natürlich gibt’s in einem losen Kollektiv wie Anonymous auch mal sich widersprechende Meinungen. Aber dass Accounts mit mehreren tausend Followern sich für Seiten mit rechtem Dreck stark machen, ist schon bedenklich. Und Anon hat wie gesagt schon mal gezeigt, dass sie zu dem Thema eigentlich anders stehen.

Aber na gut, in einer Zeit, in der die EU den Friedensnobelpreis erhält, ist wohl vieles möglich.

Just fyi, die katholische Kirche hat sich von kreuz.net schon vor Jahren distanziert.

Anonymous-Ausverkauf bei Saturn

Saturn hat die Guy-Fawkes-Maske für 8,99€ im Angebot und man fragt sich, ob die Ironie dahinter gewollt ist. Ist das nun blöd für Anonymous oder für Saturn?

Anonymous, Powered by Saturn

Jedenfalls gibt es mir Anlass, mal wieder eine hübsche Anekdote zum Thema wiederzugeben: Die Guy-Fawkes-Maske basiert bekanntlich auf der Figur aus Alan Moores Comic „V wie Vendetta“, welcher später von Wachowskis verfilmt wurde. Die Rechte an dem Merchandise-Artikel hält Warner Bros – der Filmproduktionsriese, der hinter Gesetzesvorhaben steht, die von Anonymous erbittert bekämpft werden. Und eben diese Warner Bros. sind es, die am Verkauf der Masken verdienen.

Das Originalfoto findet ihr übrigens hier (via Malte JK, via NC), zu sehen gibt’s das Ganze schon seit gut einem Monat im Saturn am Alexandersplatz in Berlin.

Internet-Überwachungs-Gesetz: US-Repräsentantenhaus verabschiedet CISPA

In einigen amerikanischen Foren herrscht z.Z helle Aufregung, da das Repräsentantenhaus dem Gesetzesentwurf CISPA zugestimmt hat. CISPA, kurz für Cyber Intelligence Sharing and Protection Act, will die Sicherheit gegen Hackerangriffe und Terrorattacken aus dem Ausland erhöhen. Kritiker hingegen sehen in dem Gesetz eine Gefahr für die Privatsphäre der amerikanischen Bürger, wie an anderer Stelle erläutert.

The US House of Representatives has just passed the controversial Cyber Intelligence Sharing and Protection Act, or CISPA (HR 3523) by a vote of 248 to 168. The bill passed mostly along party lines, backed by House Republicans. While the bill is intended to safeguard the US against „cyber threats,“ critics say that it is too vague and broad, and would give government and military intelligence agencies the ability to inspect private data without the use of warrants. While the bill hasn‘t garnered the same level of outrage as SOPA did in recent months from companies like Google or Facebook (Facebook supports CISPA), web advocates have been vocal in their opposition to the bill. (T.C. Sotteck, The Verge)

Auch wenn die Obama-Administration bereits ein formales Veto gegen das Gesetz angekündigt hat, droht CISPA in dieser oder einer ähnlichen Variante zu einem amerikanischen Gesetz zu werden.

Europäische Bürger sind davon, so weit ich das sehen kann, nicht direkt betroffen. Allerdings könnten Gruppen und Organisationen wie Wikileaks und Anonymous nun verstärkt unter Beschuss geraten.

Leigh Beadon erläutert auf Techdirt zudem, dass ein Zusatzartikel den Wirkungskreis von CISPA erschreckend weit ausdehnen könnte:

Previously, CISPA allowed the government to use information for „cybersecurity“ or „national security“ purposes. Those purposes have not been limited or removed. Instead, three more valid uses have been added: investigation and prosecution of cybersecurity crime, protection of individuals, and protection of children. Cybersecurity crime is defined as any crime involving network disruption or hacking, plus any violation of the CFAA.

Die Diskussion zum Zusatzartikel und Einwände gegen Beadons Analyse findet ihr in diesem Techdirt-Update.

Das Gesetz muss nun noch vom US-Senat gebilligt werden. Allerdings können auf dem Weg dahin Veränderungen am Text gemacht werden, zumal das Weiße Haus den Gesetzestext kritisiert hat. CISPA zu verhindern wäre nach SOPA und (in Europa) ACTA ein weiterer Kraftakt für die Netzgemeinde. Dieses Mal können sie allerdings nicht auf die Unterstützung von den Unternehmen hoffen: Facebook, Microsoft und IBM unterstützen sogar die Maßnahmen.

CNet hat ein FAQ zu CISPA zusammengestellt. Weitere Details zum Gesetz könnt ihr in der CISPA-Infografik nachlesen.

edit: Aktuelles Anonymous-Video zu CISPA:


(Direktlink)

Alec Empire (Atari Teenage Riot) supports Anonymous and wins an Internet

Alec Empire, seines Zeichens Frontmann der deutschen Elektropunk-Gruppe Atari Teenage Riot, hat der Hacker-Gruppe Anonymous eine große Summe gespendet. Die Ironie an der Sache: Das Geld haben Atari Teenage Riot für ihren Song „Black Flags“ ausgerechnet von Sony bekommen, damit Sony diesen in der Werbung für die PlayStation Vita benutzen durfte. Das Geld für Anon kommt also genau von der Firma, die letztes Jahr von Anon gehackt wurde.

Empire has handed a large sum of money earned from Sony Entertainment off to FreeAnons, which is part of the pro-hacker Anonymous Solidarity Network. The group offers financial support to individuals facing legal trouble for alleged work with the Anonymous hacker group.

Unten das Video zu „Black Flags“ feat. Boots Riley im Anonymous Edit2. (via Pitchfork)

TEDTalk von Mikko Hypponen: „Three types of online attack“

Knapp 10 Minuten lang und äußerst sehenswert: Der TEDTalk von Mikko Hypponen, Experte für Cyber-Kriminalität, den ich euch hiermit unbedingt ans Herz legen möchte.


(via rivva)

In Case of Revolution

Anonymous - In case of revolution break glass for Guy Fawkes mask

Via Lars.

Anonymous: Die neue Macht im Netz

Bericht des NDR Kulturjournals. Zwar ein paar Monate hinten dran, aber eine sehr schöne Einführung für alle, die bisher wenig von der Bewegung mitbekommen haben (oder nie in dieser Rubrik hier nachgeschaut haben).

Sie sind viele, sie operieren weltweit, und sie haben Macht. Sie blockieren die Internetseiten von Kreditkartenunternehmen. Sie protestieren gegen Scientology und unterstützen den Arabischen Freiheitskampf. Sie nennen sich Anonymous. Sie sind Hacker und ihr Lebensraum ist das Internet. Anonymous – Wer und was steckt dahinter?


(via Netzpolitik.org)

Bonuspunkt gibt’s die Hacker-Klischeebilder ab Minute 3:36.

For the Lulz: The Cultural Roots of Anonymous

Wired hat eine Reihe, in der sie versuchen, dem Phänomen ‚Anonymous auf die Spur zu kommen‘ (Anonymous – Behind the Mask). Im neuesten Artikel geht das Magazin – wie gewohnt in Überlänge – auf den Ursprung von Lulz und die Bedeutung des Streichespielens für die Anynomous-Kultur ein:

The trickster isn’t the good guy or the bad guy, it’s the character that exposes contradictions, initiates change and moves the plot forward. One minute, the loving and heroic trickster is saving civilization. A few minutes later the same trickster is cruel, kicking your ass and eating babies as a snack.

The conversation about Anonymous points to this trickster nature, veering between praise and fear, with the media at a loss for even how to describe them.

We’ve tried hacker group, notorious hacker group, hacktivists, the Internet Hate Machine, pimply-faced, basement-dwelling teenagers, an activist organization, a movement, a collective, a vigilante group, online terrorists, and any number of other fantastical and colorful terms. None of them have ever really fit. Anonymous has constantly forced us to reach for the thesaurus — revealing that as a whole, we in the media have no idea what Anonymous really is or what it means.

It wasn’t until I downloaded and listened to Lulz: A corruption of LOL’s second album, Corruption, that I grasped what Anonymous really is.

It’s a culture. […]

The lulz (a corruption of LOL, online shorthand for laugh out loud) is the most important and abstract thing to understand about Anonymous, and perhaps the internet itself. The lulz is laughing instead of screaming. It’s a laughter of embarrassment and separation. It’s schadenfreude. It’s not the anesthetic humor that makes days go by easier, it’s humor that heightens contradictions. The lulz is laughter with pain in it. It forces you to consider injustice and hypocrisy, whichever side of it you are on in that moment.

In the culture of Anonymous, the lulz is the reason for doing. Anonymous wasn’t made for easy times; the trickster sleeps when all is well.

Kompletter Artikel hier: Anonymous 101: Introduction to the Lulz (via Nerdcore)

Den Artikel werde ich mir bei Zeiten genauer durchlesen. Die Culture-Hypothese hat durchaus viele interessante Aspekte, insbesondere da Anonymous-Leute viele Verhaltensweisen mit Gleichgesinnten teilen. Dennoch würde ich den Fokus anders legen.

Anonymous ist in meinen Augen vor allem eines: Ein Name.

Die Tatsache, dass jeder Anon sein kann (oder es auf 4Chan per Standard-Einstellung ist), zeigt nicht nur die Beliebigkeit, sondern auch die Universalität dieses Namens. Dadurch entsteht im Endeffekt der bekannte Hivemind, der sowohl gesteuert wird als auch seinen eigenen Willen hat. Der Einheitsname macht alle gleich, jeder kann sich einbringen, bewertet wird die Idee und nicht das Prestige.

Mehr noch: Der Name steht (symbolisch wie wörtlich) für Anonymität. Eine Art Schutzmaske, die auch zum bekannten Troll-Verhalten führt.

Am wichtigsten ist das Ganze imo jedoch, wenn es zu politischen Aktionen kommt: Jeder kann unter dem Namen Anonymous Proteste ankündigen (vergleichbar mit der Form des Luddismus). Das System ist dadurch einigermaßen narrensicher, dass letztlich der Hivemind, bzw. andere Hacker dahinter stehen müssen.

Anonymous ist Name, Kultur… Idee? Die Möglichkeiten dahinter kann man sich wahrscheinlich gut vorstellen.

Guy Fawkes Day und Anynomous: So many plans…

Anonymous Guy Fawkes

Nach den Medienberichten, was Anonymous alles heute am 5. November (Guy Fawkes Day) attackieren will, hier mal eine kleine Übersicht:

  • Facebook (Meldung dazu: Attacke am Guy-Fawkes-Day bei Süddeutsche.de – nur eine von vielen)
  • den amerikanischen rechtskonservativen Sender Fox News (Anonymous threatens to destroy Fox News on Guy Fawkes Day)
  • das mexikanische Drogenkartell Los Zetas (Meldung auf diesem Blog: Anonymous: Kampf gegen spanisches Drogenkartell)
  • Ich stehe Anonymous ja generell positiv gegenüber – aber so viele Attacken an einem Tag? Klar, Anon sind dezentral organisiert und können daher mehrere Attacken auf einmal launchen. Aber bei solchen Gegnern darf man gespannt sein, was dabei herauskommt.

    Während die letzten Anonymous-Hacks z.B. erfolgreich gegen einen Kinderporno-Ring im Internet vorgingen, wird sich hier zeigen müssen, ob mehr dahinter steckt als das bloße Erhaschen medialer Aufmerksamkeit. Die Attacke auf Los Zetas wurde z.B. offensichtlich abgebrochen (Hintergründe lest ihr hier).

    Update zur Las-Zetas-Story: Anonymous hat sein Mitglied erfolgreich freigepresst. Das angekündigte Outing von Las-Zetas-Zugehörigen wurde abgebrochen, nachdem das gekidnappte Anon-Mitglied freigelassen wurde (Meldung bei arstechnica, via Nerdcore).

    edit: Hier noch ein Beitrag zu den Guy-Fawkes-Masken, die inzwischen zum Symbol der Anonymous-Bewegung geworden sind: Masked Protesters Aid Time Warner’s Bottom Line (via, siehe außerdem diesen SpOn-Artikel)

    Noch ein Update: Artikel zur (Nicht-)Aktion „Operation Facebook“: Mutmaßlicher Initiator der Operation Facebook offengelegt