Archiv der Kategorie 'The Internets'

Bundestag fordert Netzpolitik.org auf, Gutachten zur Abgeordnetenbestechung offline zu nehmen

Netzpolitik.org hat ein Gutachten veröffentlicht, dass strengere Gesetze gegen Abgeordnetenbestechung fordert, einem Straftatbestand, der von deutschen Politikern bislang sorgsam ignoriert oder heruntergespielt wurde.

Nun bekamen die Leute von Netzpolitik ein Schreiben vom Bundestag. Darin wird verlangt, das veröffentlichte Dokument zu depublizieren, d.h. wieder vom Netz zu nehmen – „aus urheberrechtlichen Gründen“. Das schreibt Markus Beckedahl dazu:

Der Deutsche Bundestag bittet um die Rückgängigmachung der Veröffentlichung einer der Öffentlichkeit aus urheberrechtlichen Gründen nicht zugänglichen Sache.

Vor zwei Wochen haben wir hier über das Gutachten zur Abgeordnetenkorruption berichtet, dass der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestag vor vier Jahren erstellt hatte. Da das Gutachten mit Verweis auf das Urheberrecht geheim gehalten und nicht vom Bundestag veröffentlicht wird, haben wir es hier veröffentlicht, um allen die Chance zu geben, sich aus der Originalquelle über das Thema zu informieren.

Heute habe ich bei der Post ein Schreiben des Deutschen Bundestages abgeholt, das per Einschreiben geschickt wurde. Darin steht u.a.:

“Ich bitte Sie daher, die fortwährende rechtswidrige Veröffentlichung unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 17.10.2012 einzustellen und die Veröffentlichung zukünftig zu unterlassen.”

Da Herr Prof. Dr. Schöler, Leiter der Abteilung W Wissenschaft und Außenbeziehungen, offensichtlich hier ja mitliest, kann ich ihm auch öffentlich (leider hat er keine E-Mailadresse auf dem Bundestagsbriefpapier angegeben) antworten: Nein. Das Gutachten zur Abgeordnetenkorruption bleibt öffentlich und auch hier verfügbar.

Das Dokument als PDF findet ihr hier. In den Kommentaren zum Beitrag auf Netzpolitik.org sind außerdem noch Links zu Backups angegeben.

Da darf man auf den Ausgang der Geschichte gespannt sein. Das könnte tatsächlich auf ein größeres Medienecho stoßen – sofern die es nicht wieder verschlafen.

Online-Petition gegen GEMA-Vermutung gestartet **UPDATE**

**UPDATE**

Geschafft! Quorum erreicht! Über 55.000 Unterschriften!!!111elf

Petition läuft morgen ab. Und es fehlen nur noch 250 Mitzeichner, um das Quorum von 50.000 Stimmen zu erfüllen! Also schnell noch mitmachen und unterzeichnen:

Petition gegen die GEMA-Vermutung

Originalmeldung:
Die heutige Meldung, dass die GEMA erneut Gebühren für einen Sampler mit Creative-Commons-Musik verlangt, zeigt bereits, dass der Verein unnachgiebig auf seiner Linie beharrt. Richter haben der GEMA schließlich auch Recht gegeben, dass sie durch die sogenannte GEMA-Vermutung unterstützt werden. Jene geht davon aus, dass die GEMA alle Urheber vertritt, die in Deutschland Musik veröffentlichen, sofern nicht bewiesen ist, dass die Künstler nicht zur GEMA gehören. Eine Nicht-Zugehörigkeit zur GEMA muss daher erst nachgewiesen werden (u.a. durch Nennung der Klarnamen von Künstlern).

Jetzt wurde eine Petition gestartet, welche den Paragraphen der GEMA-Vermutung (§13c UrhWahrnG) abschaffen will und die Beweislast in solchen Fällen auf die GEMA abwälzen möchte. Falls euch das Gebaren der GEMA ein Dorn im Auge ist, könnt ihr durch eine Unterschrift eurem Ärger Ausdruck verleihen. Hier geht’s zur Petition.

Beim Deutschen Bundestag wurde eine Online-Petition gegen die GEMA-Vermutung eingereicht, die eine Umkehr der Beweislast im Urheberrecht bewirken soll. Der Hauptpetent vertritt die Meinung, die GEMA mache nur einen Bruchteil aller internationalen Künstler aus. Auch wird der enorme Aufwand kritisiert, der bei der Aufzeichnung aller bei einer Veranstaltung aufgeführten Musikwerke entsteht.

Die komplette Meldung findet ihr hier: Online-Petition gegen GEMA-Vermutung angelaufen

Neues von den Blogger-Abmahnungen

Die Bildagentur, die ihre Abmahnanwälte zurzeit in Scharen gegen deutsche Blogger ins Feld ziehen lässt, hat erneut zugeschlagen und dieses Mal Blogs für Jahre alte Iron-Man-Cosplay-Bilder verklagt. René hat auf Nerdcore dazu ’nen schönen Rant abgelassen, weswegen ich hier nur das Wichtigste daraus nehme. (Zu mehr fehlt mir gerade die Zeit, sry.)

Das Gute an der Sache: In der deutschen Blogosphäre tut sich scheinbar was. Das verdient ein kleines ‚Yippieh‘:

Die Agentur hgm-press Michel OHG lässt weiterhin reihenweise Blogger abmahnen, heute hat es Marco wegen dieser Iron Man-Cosplay-Bilder aus China getroffen, neulich hatte ein ebenfalls bekannter Blogger einen Wisch wegen dieser Highspeed-Fotos bekommen. Alles von derselben Agentur, aus derselben Kanzelei. […]

Ich weiß, dass der Künstler im Fall der Highspeed-Fotos ebenfalls bestreitet, irgendetwas mit der Agentur zu tun zu haben und da diese Leute bereits mit ihrer Lego-Geschichte übelst auf’s Maul gefallen sind und ihre Abmahnungen sämtlichst zurückziehen mussten, dass auch in diesen Fällen die Kompetenz auf deren Seite wohl eher eingeschränkt vorhanden sein dürfte. […]

Außerdem: Wir – mehrere bekanntere und unbekanntere Blogger – haben uns zusammengeschlossen und koordinieren im Hintergrund Abwehrmaßnahmen für Bösartigkeiten wie die aus dem Hause der hgm-press Michel OHG.

Abmahnung für Cosplay-Bilder von Iron Mans MKI-Suit

Do Not Track: DRadio Kultur über unerwünschte Mitsurfer

Der Journalist und Blogger Falk Lüke hat einen Beitrag zum Tracking auf Websites auf Deutschlandradio Kultur produziert:

Wenn wir im Netz surfen, werden wir oft beobachtet. Ob Seitenbetreiber, Web-Analysefirmen oder Anzeigenwirtschaft: Wo und wie wir surfen, interessiert viele. Nur wissen die meisten Nutzer davon wenig – vielleicht gerade mal, dass irgendwelche Cookies, kleine Textdateien, dabei eine Rolle spielen. Nun soll ein gemeinsamer Standard gefunden werden, über den Nutzer mittels eines einfachen Klicks sagen können, dass sie nicht beim Surfen beobachtet werden wollen: Do Not Track.

Den knapp fünfminütigen Bericht könnt ihr euch hier anhören oder als MP3 direkt herunterladen:

Ach, Leute …: Blödsinn im Netz mit Wikileaks und Anonymous

Irgendwie hängt im Netz zurzeit der Haussegen schief. Reddit-User legen sich mit Gawker an, Anon verkracht sich mit Wikileaks und die deutschen Vertreter von Anonymous wissen nicht, ob sie für oder gegen rechte Kommentare im Internet sind.

Im Falle von Wikileaks geht es um eine Paywall, welche auf der Enthüllungsseite hochgezogen wurde:

Upon clicking on any of the site’s documents, including “Cablegate: 250,000 US Embassy Diplomatic Cables,” which is said to have came from alleged WikiLeaks-leaker Bradley Manning, WikiLeaks visitors are taken to a page with a video that lambastes Barack Obama and ends with WikiLeaks chief Julian Assange asking for donations. To access documents, one can donate, share the video on Facebook or tweet it. The fullscreen overlay cannot be closed unless a donation is made or something is shared, though the video does not appear over every document dump. (David Kravets, Wired.com)

Wikileaks Paywall Donations - Anonymous Anger

Dementsprechend reagierten einige prominente Anon-Accounts mit großem Unmut und kündigten an, Wikileaks nicht mehr auf Twitter zu folgen. Die Statements lesen sich dann so:

This, dear friends will lose you all allies you still had. @wikileaks, please die in a fire, kthxbai. (@YourAnonNews)

Noch deutlicher wird Anonymous in einem offiziellen Statement zum „Verrat von Wikileaks“:

No longer will Anonymous risk prison to defend WikiLeaks or Julian Assange from their enemies. No longer will Anonymous risk prison to supply material for WikiLeaks disclosures. Anonymous turns it’s back on WikiLeaks.

Wikileaks rechtfertigt sich u.a. auf Facebook für diese Maßnahme, sagt auch, es handle sich technisch nicht um eine Paywall, sondern um eine Wartezeit oder wasweißich. Fest steht, dass die Beziehung zwischen Wikileaks und Anon kaputt ist und wohl fürs Erste auch nicht wieder aufgebaut werden kann. Schade, wenn man bedenkt, wie Anonymous Wikileaks einst nach den Zensurmaßnahmen 2010 unterstützt hat. Die DDoS-Attacken und Proteste haben nicht zuletzt auch Anonymous zu weltweiter medialer Aufmerksamkeit verholfen.

Die Reaktion der Anonymen ist, gerade wenn man sich die Ideale des Kollektivs anschaut, nur zu verständlich. Und ganz ehrlich, irgendwie finde ich’s auch nicht sonderlich schade um Wikileaks, da von diesen in letzter Zeit immer weniger gekommen ist und dafür Julian Assange in den Posts promotet wurde. Einzig die Sache, für die Wikileaks stand (oder noch steht?), ist es natürlich bitter.

Und dann gibt es noch den Fall kreuz.net. Die erzkonservative Seite nutzt Katholizismus als Vorwand für Hasspropaganda und islamophoben, schwulenfeindlichen Hirnfick. Nachdem ein Poster in einem Hetzbeitrag auf kreuz.net Dirk Bach in die Homo-Hölle verbannen wollte, regte sich dagegen Protest. Anonymous rief zu Operation Kreuznet auf (#OpKreuzNet #kreuznet).

Nun allerdings die Kehrtwende, zumindest von einigen Anhängern des Hacker-Kollektivs: @AnonAustria äußert sich sich auf Twitter pro kreuz.net:

Deutscher Anonymous Twitter-Account pro kreuznet, gegen Zensur

@AnonNewsDE spricht sich auf Twitter nicht für die Seite aus, aber gegen Maßnahmen, die kreuz.net angreifen (via KFMW).

Deutscher Anonymous Twitter-Account pro kreuznet, gegen Zensur

Unklar ist, ob Anon einfach kreuz.net als publizistisches Medium ansieht und deshalb nicht angreifen will, oder ob Meinungsfreiheit und Zensur absolut auslegt. Dass diese Meinungsfreiheit aber auch im Netz Grenzen hat, sagen auch viele Hacktivisten sowie Piraten und Bürgerrechtler. Und gerade bei solchen Seiten wundert die Rückendeckung durch Anon. Immerhin ist man in der Vergangenheit schon häufiger gegen Nazis vorgegangen.

Natürlich gibt’s in einem losen Kollektiv wie Anonymous auch mal sich widersprechende Meinungen. Aber dass Accounts mit mehreren tausend Followern sich für Seiten mit rechtem Dreck stark machen, ist schon bedenklich. Und Anon hat wie gesagt schon mal gezeigt, dass sie zu dem Thema eigentlich anders stehen.

Aber na gut, in einer Zeit, in der die EU den Friedensnobelpreis erhält, ist wohl vieles möglich.

Just fyi, die katholische Kirche hat sich von kreuz.net schon vor Jahren distanziert.

Bundesregierung beschließt Leistungsschutzrecht – UPDATE zur Petition

**UPDATE**

Kleines Update zu der Meldung: Es gibt eine ePetition gegen das LSR, jedoch hat diese bisher erst 15.500 von den erforderlichen 50.000 Stimmen erreicht. Die Zeit zum Mitzeichnen läuft übermorgen am 10.10. aus, somit stehen die Chancen denkbar schlecht, dass das Anliegen im Petitionsausschuss des Bundestages angehört wird.

Wer noch mitzeichnen will, sollte dies also bald tun: ePetition zur Ablehnung des Leistungsschutzrechtes

Meldung auf Golem.de: E-Petition – Schlechte Aussicht auf Anhörung zum Leistungsschutzrecht

Originalmeldung:
Die Bundesregierung hat den Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht verabschiedet, zum besseren Schutz von Presseerzeugnissen im Internet. In seiner aktuellen Form betrifft das Gesetz vor allem News-Aggregatoren wie Rivva und Suchmaschinenbetreiber wie Google (weshalb der Gesetzentwurf auch „Lex Google“ getauft wurde). Blogger und normale User sollen nicht betroffen sein.

Allerdings könnte das Gesetz dennoch Auswirkungen auf die gewohnten Kräfteverhältnisse im Internet haben. Mario Sixtus, selbst Unterstützer der Initiative gegen das Leistungsschutzrecht (IGEL), hat auf ZDF Info in einem Beitrag für den „Elektrischen Reporter“ die Probleme mit dem geplanten Gesetz zusammengefasst.


(Direktlink, Video via Rivva ;))

Ein CSU-Mitglied bekommt einen Twitter-Account

Johannes Singhammer, CSU-Mitglied und MdB, probiert dieses Zeug mit Twitter mal aus, bleibt aber noch etwas dem analogen Zeitalter verhaftet. In einem Brief an die SZ und einige andere bittet er, seinem neuen Account @JohannesSingham zu folgen.

Die Brief wurde natürlich gescannt/fotografiert und auf Twitter gestellt und wurde – wie passend – zu einem kleinen Viral-Hit am Wochenende, der Singhammers Account schnell bekannt machte.

Johannes Singhammers Werbung für Follower auf Twitter per Brief
(Pic von Robert Rossmann, via KFMW)

Remember when Microsoft was prosecuted for bundling a browser with an OS?

Treffender xkcd-Comic zu Microsoft, bzw. eigentlich zu Google, Facebook und Apple. Die Zeiten ändern sich rasant.

xkcd - Microsoft hated on for bundling browser with an OS vs. Google Facebook and Apple today

Online gehen – Lohnt sich das?

Das ging letztes Wochenende schon durch die Blogs, hab‘ ich hier aber verpennt. Die famose Bravo Screenfun, das Pubertätsmagazin für Gamer, hatte schon 1998 den Blick auf die Online-Welt gerichtet und die wichtige Frage gestellt: „Online gehen – Lohnt sich das?“

Bravo Screenfun 1998 - Online gehen, lohnt sich das?

Die Bravo Screenfun wurde 2009 eingestellt, den kompletten Artikel findet ihr inzwischen online auf Flickr. So kann’s gehen. Hier die ersten Zeilen aus dem Interview:

Screenfun: Stephan, Du bist seit einem Jahr online. Wie kamst Du dazu?
Stephan: Pure Neugier: Die Magazine standen voll von Internet-Geschichten.
Martin: Die Wirklichkeit haben sie aber nicht dargestellt. Wenn ich sehe, wie der Aufbaubalken von Prozent zu Prozent kriecht, weil man ewig auf irgendwelche Grafiken wartet, ist das jedenfalls ziemlich ernüchternd.
Andrea: Dieser Hype ging ja auch um etwas, was die echten Online-Freaks gar nicht so oft nutzen: Das World Wide Web. Wenn ich da surfe, gucke ich oft nur ziellos herum, und nach ein paar Minuten wird mir langweilig.
Thomas: Es ist ja nicht so, daß einem da verschiedene Dinge angeboten werden. Man muss schon konkret nach etwas suchen.
Screenfun: Wo schaut Ihr denn nach, wenn Ihr ins Web geht?
Stephan: Ich gehe meist zuerst zu den großen Suchmaschinen wie Yahoo!.
Dorle: Ich suche meine Infos lieber in Büchern. Vielleicht stelle ich mich ja etwas blöd an, aber ich persönlich finde im Web nie etwas. Und wenn, dann ist es in Englisch.
Screenfun: Ist Internet-Surfen etwa out?
Jessica: Als Trend schon, deshalb sieht man in diesen Cafés ja auch fast niemanden mehr.

Ach, wir waren schon ’ne wilde Jugend (via René).

Ach, Internet Explorer

Die Werbung für Jedermanns Lieblingsbrowser in der ehrlichen Version.


(Direktlink, via KFMW)